5 – Anna

Das Pizzarestaurant war eher ein großer, rustikaler Biergarten mit riesigem Aussenbereich. Anna war froh darüber, dass sie sich dafür entschieden hatte, das luftige Top gegen ein weiten Pullover mit tiefem V-Ausschnitt einzutauschen. Man konnte nur draußen sitzen. Die Gruppe teilte sich auf mehrere der länglichen Biertische auf und Anna hielt sich an an Chrissi und Nermin, die zusammen mit ihren anderen Freunden den Tisch ganz am Ende des Biergartens anstrebten. „Von hier hinten werden die schon nich merken, wenn wir nachher kurz verschwinden.“, hörte sie Nermin zu Fabian und Sebi sagen. „Jetz schieb‘ mal kein Stress Nermin! Es sieht eh so aus, als ob wir aufs Klo gehen würden.“, warf Sebi leicht genervt, leicht erheitert ein. „Wann genau steigt der Plan denn jetzt?“, wollte Fabian nun wissen. Anna konnte nicht anders, sie musste einfach fragen: „Was für ein Plan denn?“. „Schnauze!“, kam es von Sebi prompt zurück und Anna war wie vor den Kopf gestoßen. Wie schaffte dieser Kerl es eigentlich immer wieder, sie so zu verunsichern? Nermin legte ihr freundschaftlich einen Arm um die Schulter. „Wenn du versprichst nichts zu sagen, verrat‘ ich’s dir.“, raunte er mit verschwörerischer Stimme. Anna verdrehte über diese kindischen Spielereien ironisch die Augen, doch die Neugier gewann Oberhand und schließlich gab sie nach: „Okay, versprochen, ich werd‘ nichts sagen. Also erzähl schon.“. „Wenn alles glatt läuft, haben wir zu dritt 20gggg Ott am Start.“, verkündete Fabian voller Vorfreunde, wobei er das g englisch betonte und seltsam in die Länge zog. Anna verstand nur Bahnhof. Nermin, dem ihr verwirrter Blick nicht entgangen war, lachte und erklärte ihr auf einen finsteren Blick hin: „Ein Kollege von Sebi hat 20 Gramm Gras für uns organisiert. Wir treffen uns nachher mit nem Kumpel von ihm und machen das klar. Wenn du nett fragst, bekommst du vielleicht auch was ab.“. „Achsooo“, entfuhr es Anna, „Gras!“. „Psst!“, zischte Sebi, „oder willst du, dass die Lehrer was checken?“. „Ja sorry, ich bin schon still.“, erwiderte sie. Mittlerweile hatten sie sich alle am Tisch niedergelassen und studierten hungrig die Speisekarte. Anna hatte eigentlich nicht so sonderlich großen Hunger. Vor allem nicht genug für eine ganze Pizza. „Teilt sich jemand was mit mir?“, fragte sie in die Runde. „Ich teil mir schon was mit Ina“, erklärte Chrissi entschuldigend. „Kannst du auf Schinken verzichten?“, fragte jemand plötzlich von links. Anna drehte sich um. Sebi schaute sie fragend an. „Was?“, wollte sie irritiert wissen. „Äh ja, kann ich wieso?“, setzte sie dann noch hinzu. „Gut, dann teil ich mir eine mit dir.“, verkündete er und nickte ihr kurz zu. „Salami?“, fragte sie dann, nach kurzen Zögern. „Okay“, sagte er und drehte sich dann wieder zu seinen Freunden. Der war ja vielleicht gesprächig, dachte sich Anna kopfschüttelnd. Bloß kein Wort zu viel. Aber das kannte sie bereits ansatzweise von Nermin, wenn dieser mal wieder etwas geraucht hatte. Offensichtlich kiffte auch Sebi ab und zu mal ganz gerne. „Auf ne geile Woche in Berlin!“, tönte die Stimme von Oli, am anderen Ende des Tisches. Einstimmig hoben sie die Gläser.

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