17 – Marie

Marie lag reglos in Fabis Bett. Sie konnte seinen langsamen, regelmäßigen Atmen neben sich hören. Ihr Herz raste. Sie konnte es nicht länger ignorieren. Jede Zelle in ihrem Körper strebte danach, sich zu Fabi umzudrehen, sich an ihn zu kuscheln und jeden Zentimeter seines Körpers zu küssen. Sie war bis über beide Ohren in ihn verliebt und konnte selbst nicht genau sagen, wie es dazu gekommen war. Aber, wenn sie an seinen Blick dachte, an seine schönen, dunkelbraunen Augen und daran, wie lieb er sie immer anschaute, kribbelte ihr ganzer Körper. Und er roch so gut. Gestern war ihr das gar nicht aufgefallen, sie war wahrscheinlich zu betrunken gewesen. Heute hatten sie nichts getrunken und auch nicht wirklich viel geraucht. Sie war bei vollen Bewusstsein. Trotzdem hatte sie sich erneut zu Fabi ins Bett gelegt. Und dieses Mal hatte die das Gefühl, dass es nicht nur beim nebeneinander schlafen bleiben würde. Sie konnte nicht einmal sagen, weshalb sie sich dessen so sicher war. Bei dem Gedanken daran, was in dieser Nacht vermutlich sonst noch passieren würde, schlug ihr Herz nur noch schneller. Es pochte so laut, dass sie sich ziemlich sicher war, Fabi würde es hören können.
Plötzlich spürte sie Seine Hand auf ihrem Bauch. Sie zuckte leicht zurück und fiel fast aus dem Bett. „Ist es schlimm, wenn ich das mach?“, flüsterte Fabi leicht verunsichtert in ihr Ohr. Marie schüttelte den Kopf. „Nein“, antwortete sie schließlich, als sie feststellte, dass es zu dunkel war, als dass er ihr Kopfschütteln hätte sehen konnte. „Es ist nur… Ich hab mich erschreckt, denke ich.“, versuchte sie ihre Reaktion schlüssig zu erklären. Nach einem kurzen Zögern wendete sie sich ihm zu und legte vorsichtig ihren Kopf auf seine Schulter. Sie wusste, dass es falsch war. Sie wusste, dass Lewi ihr das niemals verzeihen würde und sie wusste, dass es das Aus ihrer Beziehung bedeuten würde. Doch es war ihr egal. Sie war in diesem Moment so glücklich, dass alle anderen Gefühle einfach ausgeblendet wurden. Alle Sorgen, alle Bedenken, jegliche Zweifel. Die Anderen im Zimmer schienen alle zu schlafen, trotzdem traute sich Marie nicht, etwas zu sagen. Außerdem waren Omi und Nermin noch nicht wieder zurück und konnten jeden Moment herein kommen. Dann flüsterte Fabi ihr plötzlich leise ins Ohr: „Marie… ich hab dich echt gern.“. Obwohl Marie sich das wirklich hätte denken können, traf sie das Gesagte wie ein Schlag. Jetzt war es ausgesprochen. Es gab kein Zurück mehr. Sie würde Lewi betrügen und zum schlechtesten Menschen der Welt werden. Aber, wenn sie Lewi, sobald sie zurück war, die ganze Wahrheit erzählen würde? Und wenn sie dann gleich Schluss machen würde? Dann wäre es ja kein richties Betrügen oder nicht? Und selbst wenn sie nicht Schluss machen würde, Lewi hatte sie auch schon betrogen. Dieses Geständnis hatte er ihr erst vor Kurzem gemacht und trotz dass es bereits eine halbe Ewigkeit her gewesen war, hatte es sie tief getroffen. Sie waren damals erst ein paar Tage zusammen gewesen und er hatte betrunken auf einer Party mit Celine (die kleine, hässliche und fette Celnie – Marie konnte es immer noch nicht glauben, wenn sie daran dachte) rumgemacht. Marie jedoch hatte es ihm verziehen. Dann musste er ihr so etwas doch jetzt auch verzeihen, oder? Wenn sie jetzt Fabi küsste, könnte sie das ja vielleicht sogar enger an Lewi heranbringen. Es wäre ja möglich, dass sie, durch einen Kuss mit Fabi, merken würde, wie sehr sie Lewi liebte und dann könnte sie immer hin diese komischen Gefühle für ihren besten Freund endlich wieder vergessen.
Noch während ihr diese Gedanken durch den Kopf gingen und sie sie immer weiter verwirrten, zog Fabi sie näher an sich heran und nahm ihren Kopf schließlich in seine Hände. „Hast du gehört, Marie? Ich hab dich wirklich, wirklich gern!“, raunte er und seine Lippen waren nur Zentimeter von den ihren entfern. Dann spürte sie seine Lippen plötzlich auf den ihren und ihre Gedanken setzten aus.

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